Marokko: Wüstentrekking, Yoga und ein Meer aus Sand

Gerade sind wir von einem Wüstentrekking in Marokko zurückgekommen, eine besondere Reise, deren Eindrücke wir noch nicht einmal ansatzweise verarbeitet haben. Marokko wird oft als Land der Farben bezeichnet, man denkt sofort an die bunten Gewürzkübel in Marrakesch.

In der offiziellen Namensbezeichnung bedeutet es übersetzt aber das Land der Sonnenuntergänge – von al-Maghribiya, Sonnenuntergang. Und wer einmal in der Wüste auf der höchsten Düne gesessen hat, den noch warmen Sand zwischen den Füßen, und vor den eigenen Augen breitet sich ein Meer an Dünen aus, bis am Horizont der rote Feuerball ganz langsam verschwindet, der kann dieser Namenswahl nur zustimmen. Wie Wellen, die mitten in der Bewegung erstarrt sind, reiht sich eine Düne an die andere, sanft, still, es gibt keine Ablenkung, weder für die Augen noch für die Ohren. Nur diese unglaubliche Weite, die wir gar nicht vermisst haben, bevor sie sich uns jetzt in ihrer vollen Schönheit präsentiert. Als ob ein unsichtbares Korsett von Alltag und Verpflichtungen von uns abgenommen wird, atmen wir plötzlich in vollen Zügen diese Weite ein und spüren…Freiheit. Obwohl da eigentlich nichts ist, ist da plötzlich doch ganz viel. Das ist die Magie der Wüste. Wenn man still ist und sich die Zeit nimmt, hinzuhören.

Und es ist ein Land der Menschen. Wir haben selten so viel herzliche Gastfreundschaft erlebt. Unsere Yogalehrerin Marion – ja, wir haben hier auch Yoga gemacht, aber dazu später – hat es so formuliert: „die Marokkaner nehmen sich noch die Zeit, einen als Mensch wahrzunehmen“. Und das spürt man. Bei jedem Händedruck, bei der Begrüßung, wenn Essen gereicht wird. Wir haben selten so gut gegessen wie mitten in der Wüste. Ein wahres Festmahl wurde buchstäblich aus dem Nichts für uns gezaubert. Ein Teppich unter einem der letzten mächtigen Tamariskenbäume, bevor die Vegetation vollends den Dünen weicht, darauf ein paar Polster, Teller, Besteck, Gläser und fertig war die lukullische Tafel, deren Frische und Vielfältigkeit sich mit jedem Fünf Sterne Hotel messen konnte. Natürlich wurden für uns keine Kosten uns Mühen gescheut und man darf nicht vergessen, dass viele Marokkaner unter der Armutsgrenze leben. Dennoch ist ein sehr bewusster Zugang zu Essen und Kochen unabhängig vom Einkommen selbstverständlich. „Es gibt keinen Nomaden, der nicht kochen kann“ erzählt Hannes, Marions Lebensgefährte lächelnd. Er ist auch bei jeder ihrer Reisen als Fahrer mit dabei, bietet seiner eigenen Leidenschaft folgend Enduro Reisen durch die Wüste an und die beiden haben erst kürzlich ein kleines feines Hotel auf Ihrem Grundstück in der Nähe von Agadir eröffnet. Und selbst bei ihrer Baustelle war es eine Selbstverständlichkeit, dass die Bauarbeiter zu Mittag frisch gekocht haben. Essen ist eben wichtig. Gastfreundschaft auch. So werden Passanten kurzerhand zum Essen eingeladen. Es wird schlicht davon ausgegangen, dass der andere jetzt vermutlich auch Hunger hat, und es wäre  undenkbar, ihn hungrig weiterziehen zu lassen. Dann haben zwar alle ein bisschen weniger, aber das macht keinem viel aus. Welch ein Kontrast zu unserer täglich wahrgenommen Wurstsemmelschlange im Supermarkt.

Und wie so oft im Leben sind es sind die kleinen Dinge, die einen großen Unterschied machen. Wir hatten uns entschlossen, meinen Vater auch mitzunehmen. Mit seinen 78 Jahren hat er natürlich alle verblüfft – damit, dass er mit seinem Alter noch im Zelt übernachtet, durch die Wüste marschiert und am Kamel reitet, und Yoga mitmacht sowieso. Ich hatte keinen Zweifel, aber es war rührend, zu sehen, wie er von den Nomaden mit echter Herzlichkeit und Wertschätzung umsorgt wurde. Da wurde unauffällig gewartet, so dass genau beim Anstieg der Düne eine helfende Hand da war, und mit Beharrlichkeit wurde mir immer wieder seine Trinkflasche abgenommen, damit er oder wir uns nicht um die auch noch kümmern mussten. Ehrensache, aber eben gepaart mit einer unglaublichen Sensibilität und Herzlichkeit, ohne auch nur im geringsten aufdringlich zu sein.

Wir haben die Wüste aber noch von einer ganz anderen, ungewohnten Seite kennengelernt – nämlich mit Wasser!! Am Nachmittag, bevor wir in die Wüste aufbrechen wollten, gab es plötzlich  einen Wolkenbruch. Wir trauten unseren Augen kaum, die Marokkaner ebensowenig – es kommt nur alle paar Jahre vor, dass es hier regnet. Während wir im Inneren Schutz suchten, freuten sich die Marokkaner und strömten ähnlich dem Regen in Gruppen zusammen, um sich das Schauspiel anzusehen. Dass dabei ein Gutteil ihres Mobiliars, das gerade draußen gestanden hatte (weil es ja eh nie regnet), ruiniert wurde, schien der Freude keinen Abbruch zu tun. Die Handys (soweit vorhanden) wurden gezückt, um festzuhalten, wie sich in wenigen Minuten Sturzbäche sammelten, die tatsächlich wenig später über die nagelneue Straße traten. Wir waren mit unsern Jeeps bestens ausgerüstet, hatten aber dennoch Mühe, uns einen Weg durch die Wassermassen zu bahnen. In der Wüste angelangt, gab es dann keine Straßen mehr, nur mehr Pisten, aber momentan waren auch die unter dem Wasser verschwunden.  So erlebten wir tatsächlich (keine Fatamorgana, versprochen!) einen See in der Wüste und mussten ein paar Mal einen Fluß queren. Wie ein Jäger auf Spurensuche fand Hashmi, unser nomadischer Fahrer, mit Weitblick und Erfahrung, dann doch noch einen Weg, der uns sicher in die Wüste brachte und uns so die wertvollen Eindrücke ermöglichte.

Wieder zurück aus der Wüste, komme ich dann nicht umher auch ein paar Klischees zur bestätigen: Marokko wirkt wirklich wie ein Märchen wie aus 1001 Nacht. Auch wenn wir die Unberührtheit der Wüste und das Schlafen unter dem Sternenzelt sehr genossen haben, war dann  die Rückkehr zu einem Dach über dem Kopf auch sehr willkommen. Und Marokko bietet „Dächer“, die einen zweifeln lassen, ob man sich in der Realität befindet oder gerade träumt. Farbige Baldachine aus glitzernden prächtigen Stoffen in leuchtendem Orange oder türkis, Badezimmer, die an Paläste erinnern, goldene Wasserhähne, die das kostbare Nass in ein goldenes Becken gießen. Wenn man von der Leere der Wüste kommt, ist das wie die Rückkehr ins Paradies. Die erste Dusche nach mehreren Tagen und Nächten in der Wüste, der erste Schluck von einem eiskalten Glas Wasser sind eine wahre Freude. Die Gärten in den Hotels mit Dattelpalmen und dichter Vegetation aus sattgrünen Blättern, leuchtendes Gras dazwischen bis hin zum schillernd grünen Pool wirken geradezu unreal. Selbst das Gezwitscher und bunte Treiben der Vögel, nehmen wir plötzlich viel intensiver wahr. Vielleicht das erste Mal so bewusst. Aus Kontrasten lernt man eben.

Wir sitzen in einer kleinen Gartenlaube auf dicken weichen Polstern. Die silberne Teekanne mit „thé à la menthe“ – Minztee wird serviert und kunstvoll in kleine mit Silber verzierte Gläser gegossen. Wir trinken und genießen. Würden wir um die Ecke Alladins Wunderlampe entdecken, würde uns das auch nicht mehr wundern.

Wobei, hat man diese Wunderlampe nicht eigentlich selbst immer mit? Ich habe vorher erwähnt, dass diese Reise auch mit Yoga verbunden war. Wenn wir Yoga hören, denken wir vielleicht an Indien, an irgendwelche Gurus mit Turban, die sich unter einem Baum zurückziehen und  in seltsam verrenkten Positionen oder abgemagert unbewegt tagelang ausharren, um irgendwann etwas so Kryptisches wie Erleuchtung zu erlangen. Und tatsächlich hat uns bei dieser Reise neben unserer wunderbaren Yogalehrerin Marion noch Katchie, eine der international bekanntesten und angesehensten Yogalehrerinnen begleitet, ein echter Guru quasi. Doch auch ihre Kernaussagen hätten von dem obigen Bild nicht weiter entfernt sein können. Da ging es darum, auf seinen Körper  zu hören, ihm zu geben, was er denn jetzt gerade braucht, um eine Einheit mit ihm zu bilden, wie ein Kunstreiter mit seinem Pferd. Ihn mit Respekt und Achtsamkeit zu entwickeln, anstatt ihn zu quälen und durch ein Maximum an Selbstdisziplin zu brechen. Als Triathletin sind mir natürlich gleich einige Beispiele  eingefallen, wo ich meinen Körper zugunsten des Trainingsplanes ignoriert habe, was natürlich auch ab und zu seine Berechtigung hat. Aber durch das bewusste wohlwollende auf den eigenen Körper und nach innen hören, das uns Marion und Katchie in Marokko so behutsam näher gebracht haben, kann sich ein Gefühl einstellen, das sagt: genau hier und jetzt bin ich richtig. Ich hab alles, was ich brauche und will nirgendwo anders lieber sein. Das ist für mich der Kern von Yoga und Meditation. Und ein Stückchen davon haben wir auch wieder aus der Wüste mit nach Hause gebracht. In diesem Sinne: namaste und salaam…zum Nachahmen empfohlen 🙂

…Reiseveranstaltung und Yogalehrerin: Marion Bachinger, Yogitrip http://www.yogitrip.com

…und auf dieser Reise mit dabei: Yogalehrerin Katchie Ananda, https://www.katchieananda.com

.

…und Truemotion @work:

Marokko V1 from truEmotion Pictures on Vimeo.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.